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"Nach dem Anschlag habe ich mich gefragt, willst du hier bleiben? Kannst du hier bleiben? Ich habe als Jude nie Schwierigkeiten gehabt. Dennoch ist beides da: Der deutsche Antisemitismus und die jüdische Angst. In unserer Gesellschaft herrscht ein Klima, in dem die falschen Gesinnungen gedeihen." Chaim Kornblum, Kantor der Synagoge in Lübeck (1994)

:An die Vergangenheit erinnern heißt für die Zukunft lernen

Am 25. März 1994 brannte nachts die Lübecker Synagoge. Schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass es sich bei den Tätern um rechtsextreme Jugendliche handelte, die mit Molotov-Cocktails das zu der Zeit einzige jüdische Gotteshaus in Schleswig-Holstein anzündeten.

Obwohl in der Synagoge auch Menschen lebten, deren möglichen Tod oder allgemein psychische und physische Schäden die neofaschistischen Jugendlichen billigend in Kauf nahmen, bezog sich das Urteil gegen die Neonazis nur auf Brandstiftung, beziehungsweise Beihilfe dazu.

Zu Toten oder Verletzten kam es nur nicht, weil die Familie des Kantors Chaim Kornblum das Feuer rechtzeitig bemerkte.

Kaum einen Monat nach der Verurteilung brannte es schon wieder auf dem Gelände der Synagoge. Diesmal war es ein Anschlag auf einen an die Synagoge angrenzenden Schuppen, der komplett ausbrannte. Dieser Brandanschlag wurde in der Nacht auf den 8. Mai 1995, den 50. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus, verübt, weiterhin kam es in der selben Nacht noch zu einem Brandanschlag auf eine Wohnung von MigrantInnen in der Lübecker Innenstadt.

Angeblich hatte der zweite Anschlag keinen politischen Hintergrund.

Das sehen wir anders! Niemand greift wahllos eine Synagoge mit Molotov-Cocktails an, niemand entscheidet sich ohne entsprechende antisemitische Gesinnung dazu, ein jüdisches Gotteshaus oder andere religiöse Orte und Symbole zu schänden oder/und zu zerstören.

Diese Anschläge waren die ersten in Deutschland auf eine Synagoge nach dem Zweiten Weltkrieg, sie erinnern uns an die Bilder, die wir von der Reichspogromnacht kennen.

Am 29. März 2008 werden Neonazis aus dem Kreise von NPD und sogenannten „freien Kräften“ versuchen, einen Aufmarsch in Lübeck durchzuführen. Sie möchten dabei der Opfer der Bombenangriffe der Alliierten Luftstreitkräfte auf Lübeck gedenken. Sie verschweigen dabei, wer den Krieg begann, wie viele Deutsche bis zum Ende hinter den Plänen der Nazis standen und sie verschweigen bewusst, dass nur das militärische Einschreiten der alliierten Streitkräfte dem grausamen Massenmord an Jüdinnen und Juden, an Homosexuellen, Sinti und Roma, Behinderten, AntifaschistInnen und vielen anderen, die nicht in das Weltbild der Nazis und der Deutschen passten, ein Ende setzen konnte.

Wenn wir uns den Neonazis am 29. März in den Weg stellen, so tun wir dies in der Überzeugung, dass wir den Neonazis keinen Raum überlassen wollen. Wir werden uns bei diesem Vorhaben auch nicht von der Polizei behindern lassen, die wie jedes Jahr versucht, den Neonazis den Weg freizuräumen. Wir rufen alle Menschen dazu auf, sich an den Aktionen gegen den Naziaufmarsch zu beteiligen.

Bündnis Autonomer Antifas Nord [BAAN]
Antifa Herzogtum Lauenburg, Antifa Jugend Kiel (ajk), Anarchist Federation/Lübeck, Autonome Antifa Ostholstein, Antifaschistische Aktion Neumünster, Gruppe Zunder (Kiel) und Einzelpersonen.